Offener Brief an die Stadt Hagen: Hallenverbot stellt die Zukunft vom Leistungshandball im Volmetal in Frage

Der TuS Volmetal ist geschockt: Das Servicezentrum Sport der Stadt Hagen hat den TuS Volmetal am vergangenen Mittwoch per E-Mail mit einem vierwöchigen Hallenverbot belegt. Als Grund für die drastische Maßnahme führt die Stadtverwaltung eine übermäßige Verschmutzung des Hallenbodens durch Haftmittelrückstände an. Von dem Verbot ist nicht nur der Trainings-, sondern auch der Spielbetrieb in der Sporthalle Volmetal betroffen. Sollte das ab dem 14. November von der Stadt Hagen verhängte Hallenverbot vollstreckt werden, steht für den TuS Volmetal die wirtschaftliche und sportliche Existenz auf dem Spiel.

Vor diesem Hintergrund richtet sich der TuS Volmetal mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie die Verantwortlichen der Sportstadt Hagen:

„Ausnahmezustand beim TuS Volmetal – das gilt normalerweise bei unseren Heimspielen, nicht aber abseits des Handballfeldes. Seit letztem Mittwoch, seit Eingang der förmlichen Mitteilung der Stadt Hagen über ein ab dem 14. November verhängtes Hallennutzungsverbot, steht unser Familienverein Kopf. Fakt ist: Eine vierwöchige Hallensperre bedroht unseren Verein in seinen sportlichen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen. Wir sehen diesen offenen Brief daher als letztes Mittel, als „letzte Patrone“, um irreversiblen, nachhaltigen Schaden vom TuS Volmetal abzuwenden.

Bevor wir auf die jüngsten Ereignisse eingehen, möchten wir klarstellen, dass wir uns nicht als Opfer der „bösen Hagener Stadtverwaltung“ darstellen oder als solches gesehen werden möchten. Das ausgesprochene Hallennutzungsverbot ist natürlich nicht aus heiterem Himmel gefallen, es gibt eine Vorgeschichte. Und wir bzw. unsere Handballer sind selbstverständlich nicht ganz unschuldig an der aktuellen Situation. Aber eins vorweg: Aus unserer Sicht haben wir in den letzten Wochen und Monaten alles in unserer Macht stehende getan, um die Sauberkeit des Hallenbodens nachhaltig zu verbessern, die Situation zu entschärfen und den Anforderungen der Stadt zu genügen. Um das Problem zu verdeutlichen, müssen wir aber zunächst etwas weiter ausholen…

Wer dem Handballsport zugeneigt ist, weiß, dass die Nutzung von Haftmiteln -also Handharz- ab einem gewissen Leistungsniveau zwingend notwendig ist. Leistungshandball ohne Harz ist so, als wenn ein Fußballer barfuß spielen würde: Grundsätzlich möglich, aber in der Bundesliga schwierig… Beim Handball kommt die Harznutzung der Ballkontrolle und damit auch der Qualität des Handballspiels zugute. Wie bei vielen schönen Dingen im Leben hat aber auch der Harzgebrauch seine Schattenseiten. Das Harz hinterlässt unausweichlich unschöne Rückstände auf jedem Hallenboden. Diese Hinterlassenschaften lassen sich nicht vermeiden, aber durch regelmäßige Säuberung der Bälle und durch fachgerechte Reinigung des Hallenbodens zumindest minimieren. Dennoch: Ein klinisch sauberer Hallenboden, der „aussieht wie neu“, ist mit regelmäßigem, leistungsorientierten Handballsport kaum vereinbar. Nicht in der Sporthalle Volmetal, nicht in der Sporthalle Mittelstadt oder in einer anderen Hagener Sporthalle. Nirgendwo. In keiner Handballhalle dieser Welt.

Und nun zurück ins Tal: Seit einigen Monaten hängt das Damoklesschwert des Hallenverbotes nun schon über unserem Verein. Und ja, die Verschmutzung des Hallenbodens durch Harzrückstände war in der Vergangenheit durchaus der Kritik würdig. Als Verein haben wir von Anfang an jede Beschwerde vonseiten der Stadt ernst genommen. Wir haben das Problem anerkannt und nicht geleugnet, den Unmut verstanden und die berechtigte Kritik angenommen. Gemeinsam mit allen „harzenden“ Mannschaften haben wir regelmäßig „Großputz-Aktionen“ durchgeführt, bis hin zur manuellen Hallenreinigung nach jeder Trainingseinheit und jedem Spiel durch die Spieler. All diese Maßnahmen haben nicht zur Zufriedenheit der Stadt Hagen gefruchtet, weshalb das Servicezentrum Sport uns vor einigen Wochen die „dunkelgelbe Karte“ gezeigt hat. In Reaktion auf diesen neuerlichen Schuss vor den Bug haben wir weitere, einschneidende Maßnahmen ergriffen, die für einen ehrenamtlich geführten Familienverein wie den TuS Volmetal alles andere als selbstverständlich sind. Geschweige denn finanziell leicht zu stemmen. Wir haben auf Vereinskosten, die summa summarum im mittleren vierstelligen Bereich lagen, eine professionelle Reinigungsmaschine und Spezialreinigungsmittel angeschafft. Der Verein hat extra eine Reinigungskraft auf 450€-Basis angestellt, die vier mal in der Woche den gesamten Hallenboden säubert und Harzrückstände entfernt. Türgriffe und Handläufe in der Halle haben wir großflächig mit Rohrisolierung vor Verschmutzung geschützt und weitere „Schutzvorkehrungen“ getroffen.

Kurzum: Wir haben in den letzten Wochen und Monaten alles Menschenmögliche getan, um die Verunreinigung „unserer“ Sporthalle Volmetal auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Um das zu erreichen, haben wir keine Kosten und Mühen gescheut und sind als Verein an unsere finanzielle Belastungsgrenze gegangen. Durch die ergriffenen Maßnahmen hat sich die Sauberkeit des Hallenbodens sehr deutlich und nachhaltig verbessert. Das ist nicht unsere subjektive Wahrnehmung, sondern das wurde uns von vielen verschiedenen Seiten exakt so bestätigt. Wir dachten wirklich, wir sind auf einem guten Weg und haben das Problem endgültig in den Griff bekommen. Bis zu der besagten E-Mail. Bis zu dem Hallenverbot durch die Stadt Hagen am vergangenen Mittwoch.

Und an diesem Punkt müssen wir ehrlich sein und sagen: Mehr geht nicht. Mehr kann unser Verein und das ihn tragende ehrenamtliche Team nicht leisten. Mehr Kosten für die Hallenreinigung können wir als kleiner Dorfclub nicht stemmen. Wenn die Stadt Hagen einen klinisch sauberen Boden in der Sporthalle Volmetal verlangt, dann muss sie Leistungshandball dort begraben. Denn Leistungshandball geht notwendigerweise mit Haftmittelnutzung einher. Wenn man Sportstadt heißen möchte, muss man das akzeptieren – oder man verabschiedet sich eben vom Leistungssportprinzip beim Handball.

Aus unserer subjektiven Sicht und angesichts der vielen (wirksamen) Maßnahmen, die wir in Reaktion auf die Kritik der Stadt Hagen vor allem in den letzten Wochen ergriffen haben, ist die Verhängung eines vierwöchigen Hallennutzungsverbotes durch den Stadtsportbund unverhältnismäßig hart. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die ehrenamtliche Struktur und die äußerst begrenzten finanziellen Spielräume unseres Vereins der Stadt Hagen bestens bekannt sind, ebenso wie das soziale Engagement des TuS Volmetal und sein vielgestaltiges Wirken in die Stadtgesellschaft hinein – auch und gerade abseits des Handballfeldes.

Wir appellieren daher im Namen unseres Vereins an den Oberbürgermeister der Stadt Hagen, an die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie alle Verantwortlichen in der Sportstadt Hagen: Lassen Sie uns gemeinsam eine für beide Seiten sinnvolle und tragfähige Lösung finden. Wie in der Vergangenheit stehen wir Ihnen, unserer Stadt Hagen, auch weiterhin immer für offene und lösungsorientierte Gespräche zur Verfügung. Ein vierwöchiges Hallennutzungsverbot für unsere klassenhöchsten Handballteams würde nicht nur unser geliebtes und gelebtes Vereinsleben, sondern auch die sportliche und wirtschaftliche Existenz des TuS Volmetal gefährden.

Wir bitten Sie, dies zu berücksichtigen und darum, die schwerwiegende Entscheidung eines Hallenverbotes noch einmal zu überdenken und als Verantwortliche die Verhältnismäßigkeit der Strafe kritisch zu reflektieren. Zum Wohle der Sportstadt Hagen und zum Wohle des Leistungssports im Hagener Süden.

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