„Koexistieren und voneinander profitieren“ Handball-Kooperationspartner VfL Eintracht Hagen und TuS Volmetal starten in die Saison 2018/19.

„Koexistieren und voneinander profitieren“
Handball-Kooperationspartner VfL Eintracht Hagen und TuS Volmetal starten in die Saison 2018/19

Hagen. Die Vorbereitung ist abgeschlossen, am heutigen Freitag geht es los. Mit einem Heimspiel gegen den Dessau-Roßlauer HV starten die Zweitliga-Handballer des VfL Eintracht Hagen in die Saison 2018/19. Anpfiff ist um 20 Uhr in der Krollmann Arena am Ischeland.

Drittligist TuS Volmetal zieht am Samstag nach – ebenfalls daheim. Ab 19.45 Uhr ist in der Sporthalle am Volmewehr GWD Minden II erster Punktspielgegner der „Taler“. Beide heimischen Handball-Topklubs kooperieren seit einigen Monaten erstmals. Beim Besuch unserer Zeitung gaben Eintracht-Trainer Niels Pfannenschmidt, VfL-Sportdirektor Michael Stock, Volmetals Handball-Chef Andre Blümel und der neue TuS-Coach Christoph Ibisch Auskunft über die neue Kooperation, die Saisonvorbereitung und -erwartung sowie vieles mehr.

Das gemeinsame Vorbereitungsturnier Anfang des Monats sowie die Tatsache, dass Eintracht-Youngster Jan König neuerdings per Doppelspielrecht für Volmetal aufläuft und TuS-Kreisläufer Philipp Dommermuth zusätzlich beim VfL Eintracht mittrainiert, waren und sind die ersten sichtbaren Ergebnisse der jungen Kooperation.

Wie fällt eine erste Bilanz aus?
Niels Pfannenschmidt: Das Turnier war der erste Step. Es war vom TuS Volmetal toll organisiert und es waren viele Zuschauer da, das war bei dem sommerlichen Wetter nicht normal. Es hat sich gelohnt! Jetzt gilt es, die Kooperation weiter mit Leben zu füllen. Man muss nicht jede Woche neue Aktionen besprechen, aber man muss gucken, was man machen kann, damit vielleicht mal einige Volmetaler zu uns kommen oder im Gegenzug wir ins Tal.

Andre Blümel: Das denke ich auch, und ich denke, dass es jetzt weiter zusammenwachsen sollte. Wir sollten nicht sagen: „Wir haben jetzt mal ein Turnier um den BDO-Cup gespielt und der Jan König spielt bei Volmetal“, da soll es ja nicht bei bleiben! Man kennt ja den Klassiker: Da hat man ein Trainingsspiel vereinbart und dann bricht kurzfristig der Partner weg. Da hast du dann die Flexibilität aufgrund der kurzen Wege und fragst: „Kannst du nicht mal eben als Ersatz kommen?

“Was gibt es zu Jan König und Philipp Dommermuth zu sagen?
Niels Pfannenschmidt: Jan Königs Doppelspielrecht ist eine „Win-Win-Situation“. Beim TuS Volmetal bekommt er die Spielanteile, die er braucht und die er bei uns noch nicht bekommen hätte. Wenn er das nutzt, dann bekommen wir zur nächsten Saison hoffentlich einen besseren Spieler wieder. Bei Philipp Dommermuth ist es anders: Er wollte im Training mehr machen und nutzt jetzt das Angebot von uns. Wer weiß: Vielleicht entwickelt es sich ja beim ihm in die andere Richtung, Das ist noch nicht absehbar, kann aber sein. Ein Kreisläufer, der fast zwei Meter groß ist und auch im Innenblock decken kann, kostet normal 5000 Euro. Es war ihm damals, als er im Volmetal verlängert hat, schon wichtig, dass er dieses Zusatzangebot nutzen kann. Das ist auch ein Teil der Kooperation.

Christoph Ibisch: Auch aus meiner Sicht läuft das mit beiden Spielern sehr gut. Davon, dass sie die Möglichkeit haben, vormittags am Kraft- und Athletiktraining des VfL Eintracht teilzunehmen, profitieren wir zu 100 Prozent. Und dass Jan König uns deutlich weiterhilft, war beispielsweise in Dortmund beim Turnier um den Kronen Cup zu sehen. Abgesehen vom sportlichen Teil will man versuchen, Strukturen so aufzubrechen, dass auch Volmetal-Fans mal zum VfL Eintracht gehen und umgekehrt, also das Ganze über die Vereinsbrille hinausbringen…

Niels Pfannenschmidt: Ich bin da ganz unbefleckt, habe mit der Rivalität überhaupt nichts am Hut. Wir verstehen uns sehr gut, sollten beide versuchen, in der Region guten Handball zu zeigen. Wenn uns das gelingt profitieren beide Vereine mehr davon als wenn jeder sein eigenes Ding macht.

Michael Stock: Koexistieren und wenn dann noch die Möglichkeit besteht voneinander zu profitieren ist doch allemal besser als sich aus dem Wege zu gehen und noch eigene Fronten aufzumachen.

Wie ist die Saison-Vorbereitung gelaufen?
Niels Pfannenschmidt: Vom Heimtrainingslager in Herdecke und Hagen war ich richtig begeistert, da haben wir optimale Bedingungen gehabt. Die Ausfälle von Spielern waren eigentlich im Rahmen, aber es war blöd, dass Leute ausgefallen sind, die eine wichtige Rolle einnehmen, so dass wir die Belastung nicht so verteilen konnten, wie ich das wollte. Ich hatte mir auch taktisch andere Sachen überlegt, aber die musste ich dann zurückstellen. Aber auch das ist mal so in der Saisonvorbereitung, damit muss man klarkommen.

Christoph Ibisch: Wir hatten eine Berg- und Talfahrt, Verletzungspech war auch dabei. Niklas Polakovs, der schon einen Großteil der Vorbereitung wegen Urlaubs verpasst hat, zog sich im letzten Vorbereitungsspiel gegen Hemer einen Bänderriss zu und fällt erst einmal aus. Roman Warland hatte sich schon bei unserem Abstecher zum Boxen an der Schulter verletzt und Manuel Treude hat Probleme am Fuß.

Zu den Zugängen: Der VfL Eintracht hat mehr Jugend als Erfahrung geholt, abgesehen von Nils Dresrüsse, der mit Tobias Mahncke ein exzellentes Torwartgespann bilden dürfte, vor allem junge Spieler. Wie haben sie sich eingelebt?

Niels Pfannenschmidt: Insgesamt sehr gut. Rückraumspieler Tim Stefan, der von Erstligist Hüttenberg kam, ist stark gestartet, hat sich dann leider verletzt und fällt seitdem aus. Jonas Dell, der nach der zwischenzeitlichen Verletzung seines Kreisläuferkollegen Tilman Pröhl in Abwehr und Angriff gleich voll gefordert wurde, entwickelt sich sehr gut. Auch der 19-jährige Mittelmann Tim Brand musste wegen der Schulterverletzung von Sören Kress gleich voll ran und hat sehr gut angefangen. Zuletzt, als nicht mehr alles gleich klappte, fing er an zu überlegen, aber das ist ein normaler Prozess. Der erst 18-jährige Rechtsaußen Damian Toromanovic ist ein großes Talent, aber er braucht noch seine Zeit. Das wissen wir und das kalkulieren wir ein.

Christoph Ibisch: Auch wir haben sehr junge Leute geholt. Sebastian Rinus hat in Neuss in der A-Jugend-Bundesliga gespielt. Bei ihm merkt man, dass die 3. Liga Neuland für ihn ist oder wird. Bei ihm sehe ich die Entwicklung mittelfristig. Jan König ist dabei, das nahtlos zu schaffen, wie sich das dann in der Saison entwickelt, wird man sehen. Marvin Müller, der aus Gevelsberg kam, war verletzt. Bei ihm müssen wir mehr Arbeit reinstecken als bei den beiden vorgenannten. Es ist meine Aufgabe und die meines Trainerkollegen Jan Stuhldreher, die Youngster so zu entwickeln, dass sie zu Drittligaspielern werden.

Das Saisonziel beider Vereine scheint einigermaßen identisch zu sein: der Klassenerhalt! Richtig?
Niels Pfannenschmidt: Für uns geht es darum, in der 2. Bundesliga zu bestehen. Das wird hammerhart, weil es fünf Absteiger gibt. Alle Vereine haben sich entsprechend gut verstärkt. Wenn wir am Ende der Saison sagen können, wir sind weiter Zweitligist, dann ist das für uns ein Riesenerfolg.

Christoph Ibisch: Auch für uns ist das Ziel ganz klipp und klar der Klassenerhalt – und das so früh wie möglich, damit wir es dann etwas entspannter angehen können als bei den knappen Rettungen in den beiden letzten Jahren. Man sagt ja auch: „Das Glück ist irgendwann mal aufgebraucht“, dem würde ich gerne mit dem vorzeitigen Ligaverbleib entgegentreten.

Beim VfL Eintracht geht der Blick mittelfristig nach oben. Ist die Saison 2018/19 die letzte, die durchschifft werden muss, bevor man sich höhere Ziele stecken kann?
Niels Pfannenschmidt: Jetzt kann es gar kein anderes Ziel geben als den Klassenerhalt. Wir sind vom Etat her immer noch im unteren Bereich und bei fünf Absteigern kann man von gar nichts anderem sprechen. Danach wird es entspannter, weil dann nur noch zwei absteigen. Und dann wird es schon das Ziel sein, nicht nur vom Klassenerhalt zu reden. Schritt für Schritt! Es muss ja auch die ganze Infrastruktur entwickelt werden, da sind noch viele Sachen zu machen. Auch wenn sich schon vieles verbessert hat.

Michael Stock: Wir haben in dieser Saison erschwerte Rahmenbedingungen durch fünf Absteiger. Ich denke, dass wir letztes Jahr einen echt geilen Job gemacht haben. Ich glaube, die Zuschauer, die da waren, kommen wieder, weil sie eine Mannschaft gesehen haben, die sich zerrissen und zuhause Schlachten gewonnen hat, anders kann man das gar nicht sagen. Jetzt stehen wir vor einer neuen Herausforderung und der müssen wir uns stellen. Zwei Drittel aller Mannschaften werden darum spielen, zweitklassig zu bleiben. Die wissen alle, dass es fünf Absteiger gibt und haben sich dementsprechend verstärkt.

Der TuS Volmetal geht in die vierte Drittliga-Saison. Kann man da das Image des gallischen Dorfes mit dem kleinsten Etat noch aufrechterhalten?
Andre Blümel: Das Dorf ist immer noch gallisch und der Etat ist weiterhin der kleinste. Wenn mir jemand vor drei Jahren, als wir aufgestiegen sind, gesagt hätte, dass ich 2018 immer noch als Drittliga-Vertreter hier sitze, hätte ich geantwortet: „Vergiss es!“ Wir bleiben unserer Marschroute treu. Wenn es irgendwann mal nicht mehr für die 3. Liga reichen sollte, gehen die Laternen bei uns nicht aus.

Quelle: Westfalenpost Hagen Lokalsport
Falk Blesken, Axel Gaiser und Rainer Hofeditz