Beide Teams gehen gut vorbereitet ins Derby heute Abend. Eintracht ist klarer Favorit.

Derby, das klingt nicht nur nach dem Duell zweier Nachbarn, sondern auch nach langer Tradition: In der dritthöchsten Handball-Klasse allerdings ist es eine Premiere, dass zwei Hagener Mannschaften sich messen. Die ersten Mannschaften von VfL Eintracht Hagen und TuS Volmetal treffen am Freitag Abend um 20 Uhr in der Arena am Ischeland erstmals in einem Meisterschaftsspiel aufeinander, sie werden dies vor großer Kulisse tun. Vergleichbare Duelle hatte es allenfalls in den Achtzigern und Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts zwischen dem VfL Eintracht und der TSG Herdecke in Regionalliga und 2. Bundesliga gegeben. „Es lohnt sich für jeden zu kommen“, ist Eintracht-Trainer Lars Hepp überzeugt, „egal ob er für Grün-Weiß oder Grün-Gelb ist.“

Angesichts der im Vorverkauf abgesetzten Karten rechnen die Gastgeber in jedem Fall mit einer vierstelligen Besucherzahl, die Volmetaler gehen von etwa 300 mitreisenden Fans aus. Und nicht nur die „Green Devils“ des TuS, die in einem Demonstrationszug gegen Hallennutzungsgebühren („Volmetaler Derbymarsch“) vom Höing aus zur Halle ziehen, haben sich Besonderes ausgedacht, Sie waren vor Wochen bereits in der Arena, um die Auwärtsblöcke A und E für ihre geplante Choreographie zu vermessen. Auch der VfL-Fanclub „Crocodiles“ hat die Haupttribüne bereits geschmückt und im Hallen-Foyer an einer großen grüngelben Blockfahne gewerkelt.

Gut vorbereitet wähnen sich aber auch beide Teams, die nach Siegen am letzten Wochenende mit gestärktem Selbstbewusstsein ins erste Derby gehen können. Etwa der VfL Eintracht, der wie nach dem 28:24-Erfolg vor Wochenfrist im Spitzenspiel in Dormagen heute erneut mit zwei Punkten mindestens für einen Tag die Drittliga-Tabellenspitze übernehmen könnte. „Die Rollen sind klar verteilt“, weiß Coach Hepp: „Wir sind der Favorit und nehmen das auch an.“ Dabei dürfe man keinen Spannungsabfall gegenüber dem Dormagen-Spiel zeigen. „Die Volmetaler haben nichts zu verlieren, können nur glänzen“, sagt er, „wir müssen schon aufpassen, dass sie nicht ins Rollen kommen und über sich hinauswachsen.“

Gleichzeitig wollen die Gastgeber sich an der Spitze, wo neben ihnen nur der tags darauf gegen den VfL Gummersbach II daheim geforderte Tabellenführer Neusser HV mit 10:0 Zählern ebenfalls verlustpunktfrei ist, keine Blöße geben. Erst zwischen dem zehnten und 15. Spieltag, so Hepp, treffen die im Titelkampf erwarteten Mannschaften in direkten Duellen aufeinander. „Dann wird die Tabelle richtig durcheinander gewirbelt“, erwartet der VfL-Trainer, „bis dahin geht es darum, sich keinen blöden Punktverlust zu leisten.“ Und daheim gegen den aktuellen Tabellenzehnten soll dies den komplett antretenden Hagenern, auch wenn es ein Lokalduell ist, nicht passieren.

Keine Personalsorgen

Wohl noch mehr als die weitgehend mit auswärtigen Spielern besetzten Gastgeber fiebern die Volmetaler, die etliche Ex-Eintrachtler in ihren Reihen haben, dem Derby entgegen. Am Ischeland maßen sie sich vor Jahresfrist im Testspiel mit dem damaligen Zweitligisten VfL Eintracht, unterlagen nach 10:10-Halbzeitstand noch klar mit 15:26. Nun geht es erstmals um Meisterschafts-Punkte, die Volmetals Trainer Rob de Pijper natürlich nicht kampflos dem Favoriten überlassen möchte. „Derbys sind immer schön und meistens auch eine Werbung für den Handball“, geht er von einem Duell aus, das er von der Spannung her mit einem Pokalspiel gleichsetzt.

Auf Videos hat sich de Pijper ein Bild vom VfL Eintracht gemacht und versucht, Schwächen zu finden. Viele hat er offenbar nicht gefunden. „Die Eintrachtler haben in der 3. Liga nichts zu suchen“, sagt der Volmetaler Trainer, der sein aktuell bestmögliches Team aufbieten kann. „Manuel Treude ist etwas erkältet und Dennis Domaschk hat leichte Fußprobleme“, sagt de Pijper, der Einsatz beider Spieler sei aber nicht gefährdet. Unter den zahlreichen Volmetaler Fans wird Andrè Blümel übrigens nicht sein. „Meine Frau hatte einen Kurzurlaub an der Nordsee schon geplant, als der Terminplan noch nicht veröffentlicht war“, erklärt der Handball-Abteilungsleiter des TuS – und will jetzt am Liveticker mitfiebern.

Peter Pickel Westfalenpost f