Ein Artikel aus der Mittwochsausgabe des Wochenkurier. Ist der TuS Volmetal nächstes Weltkulturerbe?

Ein Artikel aus der Mittwochsausgabe des Wochenkurier.
Ist der TuS Volmetal nächstes Weltkulturerbe?

Hagen. Més que un club („Mehr als ein Verein“) lautet das Motto des großen FC Barcelona. Es soll zeigen, dass in der katalanischen Metropole nicht nur gut Fußball, Basketball oder Handball gespielt wird, sondern der Verein den Menschen aus der Region „mehr“ gibt. Dieses Plus gibt es auch, wenngleich drei Nummern kleiner, beim TuS Volmetal. Die Drittligahandballer sind das „gallische“ Dorf im Konzert der großen – und vor allem finanzkräftigen – Vereine. Ganz wie die berühmten Comic-Figuren Asterix und Obelix sich gegen die römische Übermacht stemmen, so sind auch die Volmetaler Handballer in der dritten Liga die großen „Underdogs“.

Zwei Mal retteten sie sich knapp vor dem Abstieg. In der Premierensaison 2016/17 gelangen vor heimischen Publikum zwei Siege in der Relegation und damit der Verbleib in Liga drei im „Nachsitzen“. Ein Jahr später retteten sich die „Taler“ auf Rang zwölf – punktgleich mit dem ersten Absteiger aus Aurich.

Was nach Abstiegskampf-Frust klingt, ist eher pure Handball-Lust. Denn: Mit dem kleinsten Etat der Liga und einigen „Jungs aus der Nachbarschaft“ schafft es der kleine Verein aus dem Hagener Süden, sich mit Leidenschaft in der Liga zu halten. Das große Geld gibt es anderswo, was also bewegt Spieler und Trainer, im Volmetal zu unterschreiben.

Christoph Ibisch hat zum Start der Saison das Zepter als Cheftrainer übernommen. Er ist kein Unbekannter bei den Volmetalern, war er doch im Nachwuchs für den TuS als Übungsleiter aktiv. Weil der Kontakt nie abgerissen ist und die „Taler“ auf der Suche waren, wurden die alten Verbindungen aufgefrischt.

„Ich wollte wieder im Seniorenbereich trainieren und als sich die Chance beim TuS bot, habe ich nicht lange überlegen müssen“, erklärt Ibisch. An seiner Seite ist Jan Stuhldreher. Der Ex-Spieler rückte bereits in der Schlussphase der vergangenen Saison ins Trainerteam an die zweite Position und soll nun weiter an Erfahrung gewinnen.

Das Duo an der Seitenlinie steht stellvertretend für den Charakter des Vereins: Hier ist gleichermaßen Platz für Leute, die ihre Chance suchen wollen, aber auch für Leute aus der Heimat. Gerade die Eigengewächse hätte sich sicherlich nicht träumen lassen, einmal im eigenen „Wohnzimmer“ – das ist die Sporthalle in Dahl am Volmewehr 5 – Bundesligahandball zu spielen.

Mehr als 3. Liga

Aber Spitzensport alleine, das reicht den „Talern“ nicht aus. Es gibt einen soliden Unterbau, drei Herrenmannschaften sowie Nachwuchsteams. Doch gerade bei den jungen Spielern ist der TuS ein wenig zwischen den lokalen Konkurrenten VfL Eintracht Hagen und der SG Schalksmühle/Halver eingeklemmt. „Der Weg aus der Innenstadt ist nicht gerade kurz und auch Schalksmühle ist um die Ecke“, beschreibt Jens Schilling, Marketingleiter beim TuS, einen Standortnachteil.

Helfende Hände

Was auf der einen Seite ein Problem ist, ist auf der anderen Seite ein wichtiger Baustein für den Erfolg. Denn: Aufgrund der engen Verflechtung der Volmetaler mit „ihrem“ TuS steht eine große Anzahl an freiwilligen – und kompetenten – Ehrenämtlern parat.Wo andere Vereine Catering bestellen müssen, weil helfende Hände fehlen, kann der TuS zuverlässig auf eine breite Unterstützung setzen.

Ohne diese Hilfe, würde der TuS Volmetal nicht da sein, wo er jetzt ist. Sowohl sportlich, als auch im Vereinsleben.

Kultig und kreativ

Aktiv gestaltet der 18-köpfige Vorstand die Geschicke des Vereins. Dabei wird es manchmal auch richtig kultig. So zum Beispiel mit dem „Taler-Trabi“. Was beim FC St. Pauli der Fanshop im Bauwagen ist (die Hamburger haben sich übrigens als erster Club selbst das Prädikat „Weltkulterbe“ verliehen“), ist für die Volmetaler ihr Trabi. Der grüne Flitzer holt zu den Heimspielen zwei Gäste an der Haustür ab und bringt sie zur Sporthalle.

Kaufen kann man diesen Service nicht, sondern kann ihn nur gewinnen. Das ist eine coole Aktion, die den TuS von vielen anderen Klubs der Region unterscheidet.

Ausverkaufte Hütte

Werbung für die Heimspiele müsste man aktuell eigentlich nicht machen. „Jeder rote Punkt auf den Sitzflächen steht für eine verkaufte Dauerkarte. ein weißer Punkt steht für Karten, die man beim Spieltag kaufen kann“, erklärt Schilling. Wer den Blick über die Reihen schweifen lässt, der wird von einer Vielzahl von roten Stickern überwältigt.

Nur hier und da sind einzelne freie Plätze zu sehen. „Wir hätten auch die an Dauerkarteninteressenten vergeben können“, kann sich Schilling nicht über mangelndes Interesse beschweren. Um aber auch einmal spontanen Zuschauern die Möglichkeit zu geben, ein Spiel zu erleben, wird ein Kontingent freigelassen.

Schalksmühle/Halver kommt

Keine Chance mehr auf ein Ticket wird man am kommenden Freitag, 7. September, haben. Dann kommt Schalksmühle/Halver nach Dahl zum Derby. Die „Dragons“, wie sich die Spielvereinigung nennt, hat nach zwei Spielen drei Punkte auf dem Konto, Volmetal zwei. Das Ibisch-Team verlor am vergangenen Freitag gegen Tabellenführer Leichlingen 23:29. Was sich am Ende nach einer klaren Sache anhörte, war lange Zeit eine umkämpfte Begegnung – mit Vorteilen für Volmetal. Zur Pause führten die „Taler“ durchaus verdient, weil sie eine bärenstarke Anfangsphase in Tore umwandelten. Erst in Durchgang zwei wurde Leichlingen seiner Rolle gerecht und entschied die Partie in den letzten zehn Minuten zu seinen Gunsten.

Los geht es am kommenden Freitag gegen Schalksmühle um 19.30 Uhr. Marketingleiter Schilling hofft auf ein volles Haus und Trainer Ibisch auf weitere Punkte für das Saisonziel, das heißt: Ein bisschen früher die Klasse zu halten.

Text: Heiko Cordes Wochenkurier