„Hier sind schon viele Wunder passiert, aber so eines habe ich noch nicht erlebt. Dass man so ein Spiel noch dreht . . .“ Der Spielbericht aus der WP.

TuS Volmetal – OHV Aurich 21:20 (HZ 12:13)
Herzschlagfinale im Tal bringt den Klassenerhalt.

Sie waren schon so gut wie abgestiegen: Doch dann schaffte der TuS Volmetal ein irres Comeback zum 21:20 gegen Aurich, der Ligaerhalt war perfekt

Sie waren schon so gut wie abgestiegen, nach drei Jahren in der 3. Handball-Liga. Noch nicht rechnerisch, aber gefühlt. Zumal auch Nachbar SG Schalksmühle/Halver gegen Konkurrent HSG Lemgo II nicht geholfen, sondern mit 25:26 verloren hatte. Doch dann lieferte der TuS Volmetal ein unglaubliches Comeback ab, machte gegen Tabellennachbar OHV Aurich in den letzten sechs Sekunden aus einem 19:20-Rückstand noch einen 21:20-Sieg. Der Klassenerhalt war unverhofft doch perfekt, auf den Rängen war eine Explosion der ungezügelten Freude die Folge. Und nicht nur Volmetals Rückraum-Ass Niklas Polakovs staunte: „Hier sind schon viele Wunder passiert, aber so eines habe ich noch nicht erlebt. Dass man so ein Spiel noch dreht . . .“

Die Wende schafften die Volmetaler in den letzten zwei Minuten, auf die sich die gesamte Saison verdichtete. Als Aurichs Paul Jordan einen Siebenmeter an den Pfosten setzte, dann aber schneller als alle Gastgeber schaltete und zum 18:20 traf, schien die Partie für das Team der TuS-Trainer Tim Schneider und Jan Stuhldreher verloren, der Abstieg in die Oberliga nahe. Zumal die Volmetaler in einem hypernervös geführten Drama, in dem der starke Polakovs maßgeblich an der 9:5-Führung (17. Minute) beteiligt war und die Hausherren als einzig verlässlich treffender Akteur bis zum 17:17 (52.) im Spiel hielt, gegen nun offensiver deckende Auricher jeglichen Rhythmus verloren hatten und ihre Angriffe ohne Überzeugung liefen.

„Aurich hat uns mit seiner Deckung überrascht“, räumte Polakovs später ein, doch mit der entscheidenden taktischen Maßnahme konterten die Gastgeber. Bei noch 123 zu spielenden Sekunden bat OHV-Coach Arek Blacha zur Auszeit, auf der Gegenseite verordnete das TuS-Trainerduo offene Manndeckung über das ganze Feld. Und brachte im Angriff den siebten Feldspieler. „Am Ende sind wir volles Risiko gegangen“, sagte Schneider, „und wir sind belohnt worden.“

Nun waren die Gäste irritiert, kamen nicht mehr vors Volmetaler Tor. Auf der Gegenseite nutzte zunächst Dennis Domaschk einen Ballgewinn seines Bruders Dominik zum 19:20. Dann scheiterte Yannick Eckervogt zwar am OHV-Abwehrblock, doch sein Team erhielt nach Auricher Offensivfoul noch eine Chance im vermeintlich letzten Angriff. Michael Romanov, zuvor nur kurz eingesetzt, zog zum Gäste-Tor, sein Hinterrückenpass landete irgendwie bei TuS-Kreisläufer Philipp Dommermuth. Der ließ sechs Sekunden vor Ende dem zuvor so starken Auricher Torhüter Frederick Möhlmann keine Chance – 20:20-Ausgleich. Und damit nicht genug, statt den Ball zum Siegtreffer ins leere, von Torhüter Manuel Treude verlassene Volmetaler Tor zu werfen, dribbelte Aurichs Jordan den Ball Romanov in die Arme. Der tankte sich energisch durch, sah die ablaufende Spielzeit – und hämmerte die Kugel aus gut 15 Metern am konsternierten Möhlmann vorbei mit der Schlusssirene ins Tornetz. Was einen Feier- und Sanges-Marathon der besonderen Art in Grün-Weiß zur Folge hatte, in der Halle am Volmewehr gab es kein Halten mehr. „Keine Ahnung, wie das passiert ist, muss ich nochmal im Video ansehen“, sagte Romanov, als der erste Überschwang abgeebbt war, „ich habe nur noch den Ball gesehen – und das Tor.“

Frustrierte Gäste aus Aurich

„Unser Mann für die besonderen Momente“, lobte TuS-Coach Schneider den Deutsch-Russen – und freute sich über ein aus seiner Sicht verdientes Happy End: „Wir haben in den letzten Wochen auch exorbitant gearbeitet.“ Daneben befand Polakovs bewegt: „Das ist ein ganz besonderer Tag und ein ganz besonderer Verein.“ Und während sich die Grün-Weißen auf eine lange Feiernacht im Volmetal vorbereiteten, trotteten geknickte Auricher – mit Rollkoffer und Frust-Bier in der Hand – die Straße „Am Volmewehr“ entlang. Ihr Bus war in Dahl an der B54 stehen geblieben.

TuS Volmetal: Treude; Kersebaum (1), Kowalski (2/1), Brüggemann, Romanov (1), Dominik Domaschk (3), Dennis Domaschk (2), Polakovs (9/3), Brockhaus, Herzog (1/1), Dommermuth (2), Eckervogt.

OHV Aurich: Denert, Möhlmann; Crmic (1/1), Wilke de Buhr (5), Renke de Buhr (3), Mougits (2), Seidler, Goepel, Stapenhorst (2), Schröder (2), Jordan (4/1), Schweigart (1).

Quelle: Westfalenpost Hagen Lokalsport